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Der Fitz, die Musik und die Philosophie
Main-Post, 13.11.2017

Was wird das? Ein Volksmusikabend? Ein Plauderstündchen? Gesellschaftskritik oder Therapiesitzung mit Gitarre? „Des bin i“ heißt das im Dialekt gespielte Solo-Programm des Schauspielers und Singer/Songwriters Michael Fitz, mit dem er durch die Lande zieht. Da sitzt er nun – graues Shirt, graue Hose, runde Brille – oben auf der Bühne des gut besuchten Würzburger Bockshorns und kommt seinem Publikum mit seiner Musik, seinem Gesang und locker erzählten Geschichten immer näher. Inmitten von ästhetisch aufgebauter Technik und seinen vier Gitarren, die er abwechselnd spielt, führt er schnörkelfrei und entspannt durch zwei tiefgründige Stunden voll Poesie, Philosophie, Melancholie und Musik. Die Zuhörer wüssten natürlich nicht, was auf sie zukomme, beginnt der in eine Münchner Schauspielerdynastie hineingeborene Mann und ehemalige „Tatort-Kommissar“ Carlo Menzinger. Möglicherweise sei die Erwartungshaltung eine falsche. Aber für das, was kommt, brauche niemand einen Kurs. Jeder könne selbst erleben, selbst mitdenken, mitfühlen, empfiehlt der Künstler. Wie recht er hat! Er singt vom Leben, wie er es wahrnimmt, und macht sich dabei oft zu einem von uns. Erzählt von der Kindheit, von Verwandtschaftsbesuchen, die er in Bezug zur Willkommenskultur stellt („D'Bsuach"), immer wieder auch von Beziehungen aller Art. Mal emotional die Stimme, mal peitschend, mal perlend die Schläge und Läufe auf der Gitarre, verbreitet er eine authentische Atmosphäre, gibt Kunde von seinen Befindlichkeiten, die nicht nur seinen Alltag bestimmen. Verletzlich gibt sich Michael Fitz, wenn er sein Inneres öffnet. Die Gedanken an Risikovermeidung spiegeln sich in dem Song „I geh net aufs Eis“. Mit seiner Auseinandersetzung mit der dahinfliegenden „Zeit“ und dem Lebensende berührt er sein Publikum, das atemlos zuhört und erst nach einem Wimpernschlag heftig applaudiert. Während aller Songs fliegen Fitz? Finger flink über die Saiten, er zupft, er schlägt, er lockt technisch gekonnt Akkorde und Melodien aus dem Instrument. Das Scheinwerferlicht spiegelt sich im Holz, in seiner Brille, zuckt über Musiker und Instrument, während Fitz seine Lippen leicht vorschiebt und scheinbar ein Zwiegespräch mit der Gitarre führt. Dazu zuckt das linke Bein, das rechte vibriert, die Finger tanzen. Der intensive, sinnige Abend mit einigen vergnüglichen Momenten begeistert, endet nach zwei Zugaben und hinterlässt trotzdem gemischte Gefühle.

ZUM TEXT

Randnotizen

Deutscher Kleinkunstpreis 2017
Die Preisträger des Deutschen Kleinkunstpreises 2017 stehen fest:
Tobias Mann (Kabarett)
Die Feisten (Chanson/Musik/Lied)
Nico Semsrott (Kleinkunst)
Konstantin Wecker (Ehrenpreis des Landes Rheinland-Pfalz)
Hazel Brugger (Förderpreis der Stadt Mainz)



Dieter-Hildebrandt-Preis 2017: 
Josef Hader



Bayerischer Kabarettpreis 2017:
Michael Altinger (Hauptpreis)
Hazel Brugger (Senkrechtstarter-Preis)
Maxi Schafroth (Musikpreis)
Helge Schneider (Ehrenpreis)



Die Preisträger des Salzburger Stier 2017 wurden bekanntgegeben:
Hosea Ratschiller und RaDeschnig (Österreich)
Helmut Schleich (Deutschland)
Hazel Brugger (Schweiz)


Der "Salzburger Stier" wurde 2017 zum 36. Mal in Kooperation der deutschsprachigen Radiosender von Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol (RAI Sender Bozen) vergeben.


 




 

 

Mathias Repiscus wurde der Kulturpreis 2012 der Stadt Würzburg verliehen

Die Stadt hat damit die Verdienste des Regisseurs und Theaterleiters gewürdigt. In der Würdigung heißt es: "Mathias Repiscus ... ist ein großer in der deutschen Kleinkunstszene: Er bereitet ihr in seinem Bockshorn in Würzburg nicht nur die Bühne - er hat in den zurückliegenden 25 Jahren auch schon so manchen Kleinkünstler ganz schön groß gemacht." Zudem habe die Entscheidung, das Bockshorn aus Sommerhausen nach Würzburg zu verlagern, Würzburg einen deutschlandweiten Ruf als Kabarettstandort eingebracht.